Erbengemeinschaft

Erbengemeinschaft: Was Sie jetzt dürfen, müssen — und wie Sie an Ihr Geld kommen

Mehrere Erben, ein Nachlass: Die Erbengemeinschaft entsteht automatisch — und ist auf Auflösung angelegt, nicht auf Dauer. Die Regeln, die Kosten und die Auswege im Überblick.

100 % kostenlos Quellen: §§ 745, 2032–2042, 2058, 2059 BGB, §§ 74a, 85a ZVG, KV 14110 GNotKG Stand: November 2026
Mehrere Menschen besprechen sich am Tisch — wie eine Erbengemeinschaft
Inhalt dieses Artikels

So entsteht die Erbengemeinschaft — und das bedeutet sie

Hinterlässt eine Person mehrere Erben, wird der Nachlass gemeinschaftliches Vermögen aller (§ 2032 BGB). Das gilt für jedes Konto, jedes Möbelstück und vor allem für die Immobilie: Ihnen gehört nicht „ein Drittel vom Haus", sondern ein Anteil am gesamten Nachlass. Über einzelne Gegenstände kann deshalb kein Miterbe allein verfügen (§ 2033 Abs. 2 BGB) — über den eigenen Erbteil als Ganzes dagegen schon.

Wie groß Ihr Anteil ist, ergibt sich aus Testament oder gesetzlicher Erbfolge — im Zweifel: Erbquoten-Rechner.

Entscheidungen: Wer darf was?

MaßnahmeWer entscheidetBeispiel
Notmaßnahmejeder Miterbe alleinRohrbruch reparieren lassen
Ordnungsgemäße VerwaltungMehrheit nach Erbquoten (§ 2038 BGB)Weitervermietung, normale Instandhaltung
Wesentliche Veränderungalle einstimmig — eine Mehrheit kann sie nicht beschließen (§ 745 Abs. 3 BGB)Verkauf des Hauses, Umbau, Grundschuld
Praktisch heißt das: Beim Immobilienverkauf hat jeder Miterbe ein Veto — egal wie klein sein Anteil ist. Genau daran scheitern viele Gemeinschaften, und genau dafür gibt es die Auswege ohne Zustimmung.

Wo bleibt die Miete? Warum nichts ausgezahlt wird

Eine der häufigsten Enttäuschungen: Das geerbte Haus ist vermietet, Geld kommt herein — auf dem Konto der Miterben landet trotzdem nichts. Das ist kein Trick der anderen, sondern das Gesetz:

„Die Teilung der Früchte erfolgt erst bei der Auseinandersetzung. Ist die Auseinandersetzung auf längere Zeit als ein Jahr ausgeschlossen, so kann jeder Miterbe am Schluss jedes Jahres die Teilung des Reinertrags verlangen."
— § 2038 Abs. 2 Sätze 2 und 3 BGB

Mieten, Zinsen und sonstige Erträge fließen also zunächst in den Nachlass und werden grundsätzlich erst bei der Auseinandersetzung verteilt. Nur wenn die Auseinandersetzung für länger als ein Jahr ausgeschlossen ist, kann jeder Miterbe jährlich die Teilung des Reinertrags verlangen — also nach Abzug der laufenden Kosten, nicht der Bruttomiete.

Was ein Mehrheitsbeschluss nicht darf: Ihnen Ihren Anteil an den Nutzungen wegnehmen. „Das Recht des einzelnen Teilhabers auf einen seinem Anteil entsprechenden Bruchteil der Nutzungen kann nicht ohne seine Zustimmung beeinträchtigt werden" (§ 745 Abs. 3 Satz 2 BGB, über § 2038 Abs. 2 anwendbar).

Nutzungsentschädigung: Der Anspruch entsteht mit dem Verlangen, nicht rückwirkend. Wohnt ein Miterbe mietfrei im geerbten Haus, können die anderen eine dem Interesse aller entsprechende Regelung verlangen (§ 745 Abs. 2 BGB). Das Gesetz knüpft an dieses Verlangen an — wer jahrelang schweigt und dann rückwirkend abrechnen will, steht regelmäßig mit leeren Händen da. Wenn Sie etwas wollen: schriftlich, datiert, nachweisbar, und zwar heute.

Wenn einer blockiert: § 2039 ist Ihr Hebel

Gegen Blockierer gibt es mehr als Erbteilverkauf und Versteigerung. Für Forderungen, die zum Nachlass gehören — ausstehende Mieten, ein Guthaben, ein Anspruch gegen einen Miterben, der kassiert und nicht abgeliefert hat — gilt:

„Gehört ein Anspruch zum Nachlass, so kann der Verpflichtete nur an alle Erben gemeinschaftlich leisten und jeder Miterbe nur die Leistung an alle Erben fordern."
— § 2039 Satz 1 BGB

Das ist stärker, als es klingt: Jeder einzelne Miterbe kann allein handeln — er darf nur nicht Zahlung an sich selbst verlangen, sondern an die Gemeinschaft. Auf die Zustimmung der anderen kommt es dabei nicht an. Und wenn Sie befürchten, dass das Geld anschließend versickert: Nach § 2039 Satz 2 BGB kann jeder Miterbe verlangen, dass die Sache für alle Erben hinterlegt wird — oder bei einem gerichtlich bestellten Verwahrer abgeliefert.

Kosten und Haftung: die unangenehme Seite

  • Laufende Kosten (Grundsteuer, Versicherung, Kredit, Energie) tragen alle nach Quoten — auch wer nichts vom Haus hat.
  • Nachlassschulden: Miterben haften als Gesamtschuldner (§ 2058 BGB). Gläubiger dürfen sich einen Erben aussuchen; intern wird nach Quoten ausgeglichen.
  • Überschuldeter Nachlass? Binnen 6 Wochen ausschlagen oder Haftungsbeschränkung (Nachlassverwaltung/-insolvenz) prüfen.
  • Erbschaftssteuer zahlt jeder Miterbe einzeln auf den eigenen Anteil — mit eigenem Freibetrag: Rechner.
Der Schutz, den kaum jemand kennt — § 2059 Abs. 1 BGB: „Bis zur Teilung des Nachlasses kann jeder Miterbe die Berichtigung der Nachlassverbindlichkeiten aus dem Vermögen, das er außer seinem Anteil an dem Nachlass hat, verweigern." Solange also nicht auseinandergesetzt ist, bleibt Ihr eigenes Vermögen außen vor — Gehalt, Konto, eigene Wohnung. Der Gläubiger kann sich an den ungeteilten Nachlass halten (Abs. 2), nicht an Ihr Privatvermögen.

Zwei Einschränkungen gehören dazu: Der Schutz gilt nicht, soweit Sie für eine Verbindlichkeit ohnehin unbeschränkt haften — dann bleibt Ihr Erbteil entsprechender Anteil ungeschützt. Und er endet mit der Teilung. Wer den Nachlass auseinandersetzt, bevor die Verbindlichkeiten geklärt sind, gibt diesen Schutz auf. Das ist ein guter Grund, vor der Auseinandersetzung erst die Schulden zu sortieren — und, bei unklarer Lage, die Haftungsbeschränkung zu prüfen, bevor geteilt wird.

Was ist die Immobilie wert — ohne Anbieter?
Fast jede Entscheidung im Nachlass hängt an einer Zahl. Zwei Wege führen ohne Anbieter dorthin: die Bodenrichtwerte der Länder sind frei abrufbar, und ein Verkehrswertgutachten für Ihr konkretes Objekt erstellt der Gutachterausschuss Ihrer Gemeinde zu festen amtlichen Gebühren. Wer einen Pflichtteil geltend macht, kann verlangen, dass der Wert der Nachlassgegenstände ermittelt wird — diese Kosten trägt der Nachlass (§ 2314 BGB). Gegenüber dem Finanzamt kann als Nachweis eines niedrigeren Werts regelmäßig ein Gutachten des Gutachterausschusses oder einer bestellten bzw. zertifizierten Sachverständigen dienen (§ 198 Abs. 2 BewG); ebenso ein Kaufpreis, der innerhalb eines Jahres um den Bewertungsstichtag zustande kam (§ 198 Abs. 3 BewG).
Wert ermitteln: die Wege im Vergleich

Die vier Wege aus der Erbengemeinschaft

  1. Gemeinsamer Verkauf — bester Erlös, braucht alle Unterschriften.
  2. Übernahme gegen Abfindung — einer behält, zahlt die anderen aus; braucht Einigung über den Wert und eine Finanzierung. Welcher Wert dabei zählt — und warum der Grundbesitzwert des Finanzamts nicht die Abfindungsbasis ist.
  3. Erbteil verkaufen — Ihr Ausstieg ohne Zustimmung, in Wochen, mit Abschlag.
  4. Teilungsversteigerung — erzwingbar, aber lang, teuer und meist mit dem schlechtesten Erlös.

Welcher Weg zu Ihrer Lage passt, hängt von Ziel und Einigkeit ab — der Lotse sortiert die vier Wege in drei Fragen. Den kompletten Ablauf der einvernehmlichen Auflösung beschreibt Erbengemeinschaft auflösen.

Verkauft ein Miterbe: das Vorkaufsrecht und seine zwei Monate

Der Erbteilverkauf ist der einzige Ausstieg, der ohne Zustimmung der anderen funktioniert — aber er läuft nicht an ihnen vorbei. Der Kaufvertrag über den Erbteil muss notariell beurkundet werden (§ 2033 Abs. 1 Satz 2 BGB), und verkauft ein Miterbe an einen Dritten, sind die übrigen zum Vorkauf berechtigt (§ 2034 Abs. 1 BGB): Sie treten zu genau den Bedingungen ein, die mit dem Käufer ausgehandelt wurden — nicht zu einem besseren Preis, aber auch zu keinem schlechteren.

Die Zwei-Monats-Frist beginnt nicht mit dem Notartermin. Sie beginnt erst mit dem Empfang der Mitteilung über den Inhalt des Kaufvertrags (§ 2034 Abs. 2 BGB i. V. m. § 469 BGB). Mitteilen muss der verkaufende Miterbe, und zwar unverzüglich (§ 469 Abs. 1 BGB; die Mitteilung des Käufers ersetzt sie). Ist der Anteil bereits übertragen, sind die Miterben zusätzlich unverzüglich davon zu benachrichtigen (§ 2035 Abs. 2 BGB) — dann üben sie das Vorkaufsrecht gegenüber dem Käufer aus. Praktisch heißt das für beide Seiten dasselbe: Zugang nachweisen lassen. Ohne Mitteilung läuft keine Frist, und eine Frist, die nicht läuft, endet auch nicht.

Zwei Dinge fallen dabei regelmäßig unter den Tisch. Erstens: Beim Verkauf an einen Miterben gibt es kein Vorkaufsrecht — die Konstellation „einer kauft die anderen heraus" ist also der schlankere Weg, notariell zwar auch, aber ohne die Zwei-Monats-Schleife. Zweitens: Der Verkäufer wird seine Haftung nicht los. Erbe bleibt er; für Nachlassverbindlichkeiten haftet er den Gläubigern gegenüber weiter, der Käufer haftet ab Abschluss des Kaufs nur zusätzlich — „unbeschadet der Fortdauer der Haftung des Verkäufers" (§ 2382 Abs. 1 BGB, über § 2385 Abs. 1 BGB auch für den Erbteilskauf). Eine Freistellung im Kaufvertrag wirkt nur zwischen Verkäufer und Käufer, nicht gegenüber den Gläubigern. Details, Abschlag und Ablauf: Erbteil verkaufen.

Teilungsversteigerung: der zweite Termin ist der gefährliche

Jeder Miterbe kann die Versteigerung erzwingen, und er braucht dafür weder einen vollstreckbaren Titel (§ 181 Abs. 1 ZVG) noch die Eintragung im Grundbuch: Es genügt, dass er Erbe eines eingetragenen Eigentümers ist (§ 181 Abs. 2 ZVG), nachgewiesen über Erbschein oder eröffnetes notarielles Testament. Wer das für den schnellen Weg hält, rechnet falsch — typisch sind ein bis zwei Jahre vom Antrag bis zur Erlösverteilung, und die Gegenseite hat eine harte Bremse: Jeder Miterbe kann die einstweilige Einstellung für längstens sechs Monate beantragen, und die ist einmal wiederholbar (§ 180 Abs. 2 ZVG). Das sind bis zu zwölf Monate zusätzlich, ganz ohne Rechtsmittel. Gerichtskosten, Gutachten und Zuschlagsgebühren summieren sich je nach Objektwert auf mehrere tausend Euro — bei einem Verkehrswert um 250.000 € ist eine Größenordnung von rund 6.000 € realistisch; vorgeschossen vom Antragsteller, am Ende vom Erlös abgezogen.

Der Punkt, an dem die meisten Erbengemeinschaften ihr Geld verlieren, ist aber ein anderer: Die beiden Schutzgrenzen gelten nur im ersten Termin.

GrenzeNormWirkung im ersten Termin
5/10 (die Hälfte des Grundstückswerts)§ 85a Abs. 1 ZVGZuschlag ist von Amts wegen zu versagen
7/10§ 74a Abs. 1 ZVGVersagung nur auf Antrag eines Berechtigten, dessen Anspruch durch das Meistgebot nicht gedeckt ist
Im neuen Termin fallen beide Grenzen weg — nicht nach Ermessen des Gerichts, sondern von Gesetzes wegen: Der Zuschlag darf dort weder aus den Gründen des § 74a Abs. 1 noch aus denen des § 85a Abs. 1 versagt werden (§ 74a Abs. 4, wortgleich § 85a Abs. 2 Satz 2 ZVG). Theoretisch ist im zweiten Termin jedes Gebot zuschlagsfähig. Und der Termin kommt schnell: Wird der Zuschlag nach § 74a versagt, bestimmt das Gericht von Amts wegen einen neuen Termin, zwischen beiden sollen mindestens drei und dürfen höchstens sechs Monate liegen (§ 74a Abs. 3 ZVG). Wer den ersten Termin bewusst „aussitzt", um die Grenzen wirken zu lassen, verschlechtert damit seine eigene Lage.

Deshalb steht die Versteigerung in der Liste oben an vierter Stelle und nicht an erster. Ablauf, Kosten und die Gegenmittel der anderen Miterben im Detail: Teilungsversteigerung.

Wenn die Gemeinschaft gemeinsam verkauft: zwei Steuerfragen

Der gemeinsame Verkauf bringt den besten Erlös — und wirft genau zwei Fragen auf, die sich vorab beantworten lassen, statt sie dem Steuerbescheid zu überlassen.

  1. Spekulationssteuer? Sie fällt nur an, wenn zwischen dem Kauf durch die verstorbene Person und dem Verkauf nicht mehr als zehn Jahre liegen (§ 23 Abs. 1 Nr. 1 EStG). Der Erbfall ist keine Anschaffung; die Anschaffung der verstorbenen Person wird den Miterben zugerechnet (§ 23 Abs. 1 Satz 3 EStG). Gerechnet wird von Kaufvertrag zu Kaufvertrag, nicht von Grundbucheintragung zu Grundbucheintragung. Hat die verstorbene Person das Haus vor mehr als zehn Jahren gekauft, ist die Frist abgelaufen — der häufigste Fall. Bleibt ein Gewinn, gibt es eine Freigrenze von 1.000 € im Kalenderjahr (§ 23 Abs. 3 Satz 5 EStG), und Freigrenze heißt: einen Euro darüber ist alles steuerpflichtig. Die vier typischen Fälle stehen auf Geerbte Immobilie verkaufen.
  2. Grunderwerbsteuer? Unter Miterben nicht. Der Erwerb von Todes wegen ist befreit (§ 3 Nr. 2 GrEStG), und auch der Erwerb eines zum Nachlass gehörenden Grundstücks durch Miterben zur Teilung des Nachlasses ist begünstigt (§ 3 Nr. 3 GrEStG); Ehegatten und Lebenspartner der Miterben stehen ihnen gleich. Ein fremder Ankäufer genießt diese Befreiung nicht — ein Argument, das in die Abfindungsverhandlung unter Geschwistern gehört.

Das Grundbuch: zwei Jahre gebührenfrei, danach wird es teuer

Eigentümer sind die Miterben nicht erst nach der Auseinandersetzung, sondern mit dem Todestag (§ 1922 BGB). Im Grundbuch steht danach aber weiter die verstorbene Person; es ist damit unrichtig. Die Berichtigung kostet nichts, wenn der Eintragungsantrag binnen zwei Jahren seit dem Erbfall beim Grundbuchamt eingeht (KV 14110 Anm. 1 GNotKG). Es zählt der Eingang des Antrags, nicht die Eintragung — das Grundbuchamt darf sich also Zeit lassen, ohne dass es Sie etwas kostet.

Die Auseinandersetzung schadet der Gebührenfreiheit nicht. Die Befreiung gilt ausdrücklich auch dann, wenn die Erben erst infolge einer Erbauseinandersetzung eingetragen werden (KV 14110 Anm. 1 Satz 2 GNotKG). Die Zwei-Jahres-Frist läuft aber unverändert ab dem Erbfall weiter — eine langwierige Einigung unter Miterben verlängert sie nicht. Wer absehbar länger streitet, lässt deshalb zuerst die Erbengemeinschaft eintragen und erst danach das Ergebnis der Teilung.

Versäumt man die zwei Jahre, fällt eine 1,0-Gebühr nach KV 14110 an, berechnet aus dem Verkehrswert des Grundstücks nach Tabelle B GNotKG:

VerkehrswertGebühr (1,0)Von Amts wegen (2,0)
250.000 €535 €1.070 €
300.000 €635 €1.270 €
500.000 €935 €1.870 €

Die rechte Spalte ist kein theoretischer Fall: Berichtigt das Grundbuchamt von Amts wegen, weil niemand reagiert hat (§ 82a GBO), verdoppelt sich die Gebühr auf 2,0 (KV 14111 GNotKG). Eingetragen werden dann alle Erben mit dem Zusatz „in Erbengemeinschaft" — Einzelquoten stehen nicht im Grundbuch, die Erbengemeinschaft hält das Grundstück als Ganzes. Als Erbnachweis genügt dem Grundbuchamt in der Regel ein eröffnetes notarielles Testament mit Eröffnungsniederschrift (§ 35 Abs. 1 Satz 2 GBO); fehlt das, wird der Erbschein fällig — bei 250.000 € Nachlass 535 € für die Erteilung und noch einmal derselbe Betrag für die eidesstattliche Versicherung, zusammen 1.070 €. Was sich davon sparen lässt: Erbschein-Kosten und Grundbuchberichtigung.

Jede Auseinandersetzung endet bei einer Zahl — und um dieselbe Immobilie kreisen drei davon. Der Grundbesitzwert, den das Finanzamt in einem typisierten Massenverfahren für die Erbschaftssteuer feststellt und der Ihr Objekt nie gesehen hat; der Verkehrswert, der beim Pflichtteil, bei der Auseinandersetzung unter Miterben und bei jeder Abfindung zählt; und der Marktpreis, der am Ende tatsächlich gezahlt wird. Wer den Bescheid des Finanzamts zur Abfindungsbasis macht, verhandelt über die falsche Zahl. Zwei Details, die Geld wert sind: Die Kosten eines Wertgutachtens trägt der Nachlass (§ 2314 Abs. 2 BGB), nicht der Miterbe, der es verlangt — und liegt der Grundbesitzwert über dem gemeinen Wert, dürfen Sie den niedrigeren nachweisen (§ 198 BewG), aber nur mit einem Gutachten des Gutachterausschusses oder eines bestellten Sachverständigen, nicht mit einer Maklereinschätzung. Welche Zahl wofür gilt und wie Sie einen zu hohen Ansatz angreifen: Immobilienbewertung im Erbfall.

Häufige Fragen

Was ist eine Erbengemeinschaft?
Sobald mehrere Personen gemeinsam erben, bilden sie kraft Gesetzes eine Erbengemeinschaft (§ 2032 BGB). Der gesamte Nachlass gehört allen gemeinsam — niemandem gehört ein bestimmter Gegenstand allein, auch nicht anteilig das Haus. Erst die Auseinandersetzung verteilt das Vermögen.
Wer entscheidet in der Erbengemeinschaft?
Maßnahmen der ordnungsgemäßen Verwaltung (z. B. notwendige Reparaturen, Vermietung fortführen) beschließt die Mehrheit nach Erbquoten (§ 2038 BGB). Grundlegendes — etwa der Verkauf des Hauses — braucht alle. Notmaßnahmen darf jeder Miterbe allein treffen.
Wer zahlt die laufenden Kosten?
Alle Miterben nach ihren Quoten: Grundsteuer, Versicherungen, Kredite, Instandhaltung. Wohnt ein Miterbe mietfrei im Haus, können die anderen eine dem Interesse aller entsprechende Regelung verlangen (§ 745 Abs. 2 BGB) — der Anspruch knüpft aber an dieses Verlangen an, rückwirkend gibt es regelmäßig nichts. Wer eine Nutzungsentschädigung will, fordert sie schriftlich und datiert, und zwar sofort.
Das geerbte Haus ist vermietet — warum bekomme ich keine Miete?
Weil die Erträge zunächst im Nachlass bleiben: Die Teilung der Früchte erfolgt erst bei der Auseinandersetzung (§ 2038 Abs. 2 Satz 2 BGB). Nur wenn die Auseinandersetzung für länger als ein Jahr ausgeschlossen ist, kann jeder Miterbe am Jahresende die Teilung des Reinertrags verlangen — also nach Abzug der laufenden Kosten. Kassiert ein Miterbe die Miete und liefert nichts ab, kann jeder andere allein Zahlung an die Gemeinschaft verlangen (§ 2039 BGB).
Wie lange kann eine Erbengemeinschaft bestehen?
Theoretisch unbegrenzt — praktisch ist sie als Dauerlösung nicht gedacht. Jeder Miterbe kann jederzeit die Auseinandersetzung verlangen (§ 2042 BGB). Aussitzen kostet: laufende Kosten, Wertverlust bei Leerstand und wachsendes Konfliktpotenzial.
Hafte ich für Schulden des Verstorbenen?
Die Miterben haften für Nachlassverbindlichkeiten als Gesamtschuldner (§ 2058 BGB) — aber bis zur Teilung des Nachlasses können Sie die Zahlung aus Ihrem eigenen Vermögen verweigern (§ 2059 Abs. 1 BGB). Solange nicht auseinandergesetzt ist, bleibt Ihr Privatvermögen also grundsätzlich außen vor; der Gläubiger kann sich an den ungeteilten Nachlass halten. Der Schutz entfällt, soweit Sie unbeschränkt haften, und er endet mit der Teilung. Bei überschuldetem Nachlass: Ausschlagung binnen 6 Wochen prüfen, sonst Nachlassverwaltung oder Nachlassinsolvenz — und zwar bevor geteilt wird.
Was passiert, wenn ein Miterbe nicht auffindbar ist oder blockiert?
Für Unauffindbare kann ein Abwesenheitspfleger bestellt werden. Gegen Blockierer helfen der Verkauf des eigenen Erbteils (§ 2033 BGB), notfalls die Teilungsversteigerung — oder die gerichtliche Durchsetzung der Auseinandersetzung. Welche Reihenfolge sinnvoll ist, zeigt der Lotse.
Muss das Grundbuch umgeschrieben werden — und was kostet das?
Eigentümer sind die Miterben bereits mit dem Todestag (§ 1922 BGB); das Grundbuch wird dadurch unrichtig. Die Berichtigung ist gebührenfrei, wenn der Eintragungsantrag binnen zwei Jahren seit dem Erbfall beim Grundbuchamt eingeht (KV 14110 Anm. 1 GNotKG) — ausdrücklich auch dann, wenn die Erben erst infolge der Erbauseinandersetzung eingetragen werden (Anm. 1 Satz 2). Danach fällt eine 1,0-Gebühr aus dem Verkehrswert des Grundstücks an: rund 535 € bei 250.000 €, 635 € bei 300.000 €, 935 € bei 500.000 €. Berichtigt das Grundbuchamt von Amts wegen nach § 82a GBO, sind es 2,0 Gebühren (KV 14111).
Ein Miterbe verkauft seinen Anteil an einen Fremden — können wir das verhindern?
Verhindern nicht, aber selbst eintreten. Verkauft ein Miterbe an einen Dritten, sind die übrigen zum Vorkauf berechtigt (§ 2034 Abs. 1 BGB) — sie treten zu genau den Bedingungen ein, die mit dem Käufer ausgehandelt wurden. Die Frist beträgt zwei Monate, sie beginnt aber erst mit dem Empfang der Mitteilung über den Vertragsinhalt (§ 2034 Abs. 2 BGB i. V. m. § 469 BGB). Ohne diese Mitteilung läuft gar nichts. Beim Verkauf an einen Miterben gibt es kein Vorkaufsrecht.
Bei der Teilungsversteigerung: reicht ein Gebot unter dem Verkehrswert?
Im ersten Termin schützen zwei Grenzen. Erreicht das Meistgebot nicht die Hälfte des Grundstückswerts, ist der Zuschlag von Amts wegen zu versagen (§ 85a Abs. 1 ZVG); bleibt es unter 7/10, kann ein Berechtigter, dessen Anspruch dadurch nicht gedeckt ist, die Versagung beantragen (§ 74a Abs. 1 ZVG). Entscheidend ist, was danach kommt: Im neuen Termin darf der Zuschlag aus keinem der beiden Gründe versagt werden (§ 74a Abs. 4, § 85a Abs. 2 Satz 2 ZVG). Dort ist theoretisch jedes Gebot zuschlagsfähig.
Die Erbengemeinschaft verkauft das geerbte Haus — fällt Spekulationssteuer an?
Nur, wenn zwischen dem Kauf durch die verstorbene Person und dem Verkauf nicht mehr als zehn Jahre liegen (§ 23 Abs. 1 Nr. 1 EStG). Der Erbfall selbst ist keine Anschaffung und löst keine neue Frist aus — die Anschaffung der verstorbenen Person wird Ihnen zugerechnet (§ 23 Abs. 1 Satz 3 EStG). Maßgeblich sind die notariellen Kaufverträge, nicht die Grundbucheintragungen. Grunderwerbsteuer fällt unter Miterben nicht an: Der Erwerb von Todes wegen ist befreit (§ 3 Nr. 2 GrEStG), ebenso der Erwerb eines Nachlassgrundstücks durch Miterben zur Teilung des Nachlasses (§ 3 Nr. 3 GrEStG).
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